Schlagwort: Erworbenes Savant-Syndrom

  • Asperger-Syndrom, Autismus und Alexithymie

    Eine präsente Situation, und auch Vorurteil: Menschen mit Asperger-Syndrom, Autismus sowie Autismus-Spektrum-Störung haben Probleme, Gefühle und Emotionen zu zeigen oder auch zu verstehen.

    Eine typisches Vorkommen: Ich befand mich in einer Situationen, in der ich meinte, die Person Gegenüber gut zu kennen und die Gefühls- und/oder die Emotionslage richtig erkannt zu haben. 

    Ein Beispiel: Ich habe erkannt, dass in der Situation sowohl Gefühl 1, Gefühl 2, Gefühl 3 sowie Emotion 1 und Emotion 2 zutreffen. Oder Gefühl 2 und 3 könnten Emotion 1 und 2 bedeuten, jedoch kommt Gefühl 1 in den Sekunden während und in Folge der Überlegung zum Vorschein und wirkt dominanter.

    Von der Person gegenüber kommt ein: „Mir geht es gut“. Wo ist der Rest?!

    Während meiner Diagnose- und Therapiezeit stellte man Alexithymie fest. Ich bin also eher rationalisierend unterwegs. Sowohl bei mir, als auch beim Gegenüber.

    Eine meiner Herausforderungen: Würde ich anfangen, eine detailgenaue Angabe zu machen, bräuchte ich meine Zeit. Mit der richtigen Zeit ist es zwangsläufig detailgenau. Im Alltag kommt es meist zu einem: Kurz und aussagekräftig. Dies kann außerdem eine Grundlage dafür sein, um im Weiteren ein Interesse signalisiert zu bekommen. Ich beachte auch die Tatsache, dass mein Gegenüber fokussiert angebunden ist, ggf. unter Zeitdruck steht, Smalltalk führen möchte oder an einem längeren Gespräch interessiert ist.

    In den meisten Situationen sind Emotionen komplex und selten auf ein einzelnes Gefühl beschränkt. Es handelt sich oft um eine Vielzahl von Gefühlen, die gleichzeitig auftreten, einschließlich sogenannter Mischgefühle oder „Übergangsphasen“.

    Der Grund dafür, dass in manchen Momenten nur ein einzelnes Gefühl benannt wird, liegt oft an praktischen Faktoren wie der fehlenden Zeit, alle Nuancen zu reflektieren. Es hat meist nichts mit mangelnder Empathie, Selbstreflexion oder Alexithymie (der Unfähigkeit, Gefühle zu erkennen) zu tun.

    Wenn man einer Person, die sich zunächst auf ein einzelnes Gefühl konzentriert hat, eine Liste mit Gefühlen und/oder Emotionen vorlegt, würde sie wahrscheinlich erkennen, dass noch weitere Gefühle bzw. Emotionen zutreffen sein könnten.

    Und das trifft auch bei neurotypische Menschen zu. 

    Es gibt Menschen mit einer stark ausgeprägten Alexithymie und extremen Herausforderungen und Problemen mit und in sozialen Interaktionen und Kommunikation. Wie wahrscheinlich ist es, ein offenes Feedback zu erhalten. Gemachte Erfahrungen (bsp. aus der Vergangenheit) läufen häufig mit und sind noch häufiger vorhanden.

    Wie ist der biologisch richtig Verlauf für das Zustandekommen einer Gefühlsfeststellung?

    Die Feststellung eines Gefühls ist ein komplexer neurobiologischer Ablauf/Verlauf/Prozess, der in der Regel in mehreren Schritten abläuft und verschiedene Gehirn- und Gedächtnisbereiche involviert. 

    Es gibt es zwei gängige Verarbeitungswege, die oft parallel ablaufen können: einen schnellen, unbewussten Weg und einen langsameren, bewussten Weg. Für mich gibt es außerdem den Weg und das Ergebnis der Eigenformulierung.

    1. Bottom-up-Prozess; Der schnelle, unbewusste Weg.

    Dieser Weg ermöglicht eine sofortige, reaktive Antwort, noch bevor die Situation bewusst erfasst wurde. Es ist anzumerken, dass Feststellungen auch in einer reduzierten Geschwindigkeit erfolgen können, um bspw. „das Unbewusste“ und das Zustandekommen zu erfassen.

    • Sinneswahrnehmung: Ein äußerer Reiz (z.B. ein lautes Geräusch) wird von den Sinnesorganen aufgenommen.
    • Weiterleitung an den Thalamus: Die sensorische Information gelangt zum Thalamus, der als Schaltzentrale alle eintreffenden Signale sortiert.
    • Abkürzung zur Amygdala: Der Thalamus leitet einen Teil der Information direkt an die Amygdala weiter. Die Amygdala ist das emotionale Zentrum im Gehirn, das für die Bewertung von Reizen und die Auslösung von emotionalen Reaktionen zuständig ist.
    • Physiologische Reaktion: Die Amygdala löst eine unmittelbare körperliche Reaktion aus. Diese Reaktion geschieht, bevor man sich der Emotion bewusst ist.

    2. Top-down-Syndrom; Der langsame, bewusste Weg.

    Dieser Weg ist detailgenauer und ermöglicht eine bewusste Bewertung und Einordnung der Situation. Es ist anzumerken, dass Feststellungen auch in einer überdurchschnittlichen Geschwindigkeit erfolgen können. 

    • Weiterleitung zum Kortex: Vom Thalamus wird die sensorische Information auch an die Großhirnrinde (Kortex) weitergeleitet.
    • Kognitive Bewertung: Im präfrontalen Kortex findet eine genaue Analyse des Reizes statt. Hier werden die sensorischen Informationen mit Erinnerungen und Erfahrungen abgeglichen, um die Situation detailliert zu bewerten.
    • Bewusstes Gefühl: Erst durch die Verarbeitung im Kortex wird die ursprünglich unbewusste emotionale Reaktion zu einem bewussten Gefühl. Man erkennt und benennt die Emotion, die man erlebt. Häufig kann es auch dazu kommen, dass einem mehrere Emotionen und Gefühle einfallen, man jedoch „nur“ eines formuliert.
    • Rückmeldung: Der Kortex sendet Signale zurück an die Amygdala, um die emotionale Reaktion zu regulieren oder zu verstärken, basierend auf einer bewussten Einschätzung.

    Die bewusste Feststellung eines Gefühls ist also das Ergebnis dieser und weiterer komplexen Interaktion zwischen dem limbischen System sowie weiteren subkortikalen Strukturen und dem Kortex. Eine Gefühls- und Emtionsliste kann außerdem eine Feststellung unterstützen.

    Das Gefühl ist nicht nur eine Reaktion, sondern ein dynamischer Zustand, der aus kognitiven, neuronalen, und subjektiven Komponenten besteht.

  • Feststellung Savant-Syndrom und Inselbegabung

    Die Feststellung einer Inselbegabung, die auch als Savant-Syndrom bezeichnet wird, ist keine offizielle medizinische Diagnose mit festgelegten Kriterien. Ob das Savant-Syndrom eine Diagnose ohne festgelegte Kriterien sein kann?

    Stattdessen handelt es sich um ein Phänomen, das oft im Zusammenhang mit anderen Entwicklungsbesonderheiten (oder auch Entwicklungsstörungen) wie Asperger-Syndrom, Autismus oder geistiger Behinderung beobachtet wird.

    Eine Inselbegabung wird in der Regel durch eine umfassende fachärztliche Beurteilung festgestellt.

    Ich erinnere mich (während und nach Feststellung des Savant-Syndroms) an viele spannende Test‘s und Beurteilungen.

    Dazu gehören: Beobachtung und Feststellung der Interessen und der Fähigkeiten. Fachleute achten darauf, in welchen Bereichen eine Person überdurchschnittliche und/oder außergewöhnliche Fähigkeiten zeigt. Das können zum Beispiel Mathematik, Grund- und Prinzipienverständnis (schnelle Auffassungsfähigkeit), ein phänomenales Gedächtnis, musikalische oder künstlerische Talente sein.

    Eigene fokussierte und/oder entwickelte Spezialinteressen bieten ebenso eine Grundlage für überdurchschnittliche Leistungen und Fähigkeiten. 

    Tests und Beurteilungen: Es können EQ-/IQ-Tests und andere psychologische Beurteilungen durchgeführt werden, um das gesamte kognitive Profil der Person zu erfassen. Oft zeigen Menschen mit Inselbegabung einen sehr niedrigen IQ im Allgemeinen, aber einen extrem hohen Wert in ihrem speziellen Begabungs- bzw. Interessensbereich. Es können ausserdem mehrere sein. Inselbegabung mit weitere Teilbereiche-Erreichbarkeit ist mir nicht unbekannt.

    Anamnese: Die Ärzte (Neurologie, Psychiatrie, Psychologie) können die Familie und Bezugspersonen befragen, um Informationen über die Entwicklung, die Krankengeschichte und die Verhaltensweisen der Person zu erhalten. Solche Informationen sind entscheidend, um ein Gesamtbild zu verstehen (und auch verstanden zu haben).

    Wichtig ist außerdem: Eine Inselbegabung ist nicht dasselbe wie eine Hochbegabung. Während Hochbegabte in der Regel einen überdurchschnittlichen IQ über alle Bereiche hinweg haben, bezieht sich die Inselbegabung auf eine extrem spezifische, herausragende Fähigkeit, die oft im Kontrast zu den allgemeinen kognitiven Fähigkeiten steht. Es ist möglich, in den Bereichen einen überdurchschnittlichen IQ/EQ zu haben.

    Es gibt außerdem Menschen mit Inselbegabung(en), welche einen überdurchschnittlichen IQ / EQ in allen Bereichen haben.

    Menschen mit Asperger-Syndrom können einen überdurchschnittlichen IQ/EQ haben, demnach auch eine Hochbegabung. 

    Es gibt Menschen, welche sowohl Asperger-Syndrom als auch Autimus (bsp. atypisch funktionaler Autismus/atypischer Autismus) und das Savant-Syndrom haben. Das Savant-Syndrom kann mit dem Asperger-Syndrom, dem atyischen Autismus (sowie weiterer Codes im ICD10/ICD11) zugeordnet werden. Der ICD11 lässt auch zu, dass das Savant-Syndrom in weiteren Code eingeordnet werden kann.

    Es kann demnach sein, dass es Menschen mit ASS; Asperger-Syndrom und/oder atypischem Autismus gibt, welche sowohl eine Hochbegabung, als auch eine Inselbegabung haben.

    Was ebenso logisch ist: Hat ein Mensch eine festgestellte Hochbegabung und Jahre später einen Unfall, und es wird in Folge das Savant-Syndrom als Inselbegabung festgestellt (ohne das der Unfall Einfluss auf Hochbegabung hat), hat dieser Mensch eine festgestellte Hochbegabung und das Savant-Syndrom (Inselbegabung). Wenn festgestellt, auch bspw. ASS. Es ist auch möglich, dass eine Inselbegabung als Savant-Syndrom festgestellt wird.

    Zu der Frage: Gibt es Menschen mit dem Savant-Syndrom, welche keine Inselbegabung haben?

    Antwort: Per Definition nicht. Es ist jedoch zu beachten, dass das Savant-Syndrom und Inselbegabung synonym verwendet werden (was ein potentielles „JA“ verursachen kann). Definitionen sind nicht im Stein gemeißelt.

    Definitionsgemäß beschreibt das Savant-Syndrom jedoch das Phänomen einer Inselbegabung, die meist im Kontext einer anderen Entwicklungsstörung (wie Autismus oder einer geistigen Behinderung) auftritt, welche zuvor entstanden ist. Ich kann mir vorstellen, dass es auch Menschen mit dem Savant-Syndrom gibt, ohne das eine geistige Behinderung festgestellt wurde oder feststellbar ist.

    Der Begriff Savant-Syndrom wurde geprägt, um die spezielle und herausragende Fähigkeit (die „Insel“) zu betonen, die bei diesen Personen oft im Kontrast zu ihren allgemeinen kognitiven Einschränkungen steht.

    Nicht alle Autisten sind Savants: Es wird geschätzt, dass etwa 10 % der Menschen mit Autismus auch Savant-Fähigkeiten aufweisen, aber das bedeutet, dass die große Mehrheit der Menschen mit Autismus / Asperger-Syndrom keine Inselbegabung haben.

    Es gibt auch Savants ohne Autismus: Etwa die Hälfte der bekannten Savants hat eine Autismus-Spektrum-Störung, die andere Hälfte hat eine andere Form der geistigen Behinderung oder eine Hirnverletzung. Ich kann mir vorstellen, dass es Menschen mit dem Savant-Syndrom gibt, bei denen keine geistige Behinderung oder Hirnverletzung festgestellt wurde bzw. feststellbar ist.

    Bei normaler Intelligenz: In sehr seltenen Fällen kann eine Inselbegabung auch bei Menschen mit einem durchschnittlichen oder sogar überdurchschnittlichen IQ auftreten. 

    Auch diese Fälle fallen unter das Savant-Syndrom.

    Zusammenfassend lässt sich festhalten: Das Savant-Syndrom ist der medizinische oder psychologische Begriff für das Phänomen der Inselbegabung. Die beiden Begriffe sind so eng miteinander verbunden, dass das eine ohne das andere bekanntermaßen nicht existiert.

    Am Rande: Früher beschrieb man atypischen Autismus auch als autistische Züge. Was wohl häufiger vorkam, insbesondere wenn man deutlich Asperger ist und eine weitere Form (wie z.B. atypischer Autismus) vorhanden, erkennbar und/oder feststellbar ist. So der Stand der Dinge (SDD) und die Entwicklung in den 1990er/2000er.

    Ich erinnere mich noch an das „Hin und Her“ während meiner Diagnosezeit. Erst war ich Asperger mit autistischen Zügen, und dann konnte man sich auf Asperger-Syndrom (hochfunktional) und Savant-Syndrom (atypisch funktionaler Autismus) „einigen“. Musste ja alles eingeordnet werden und: Blieb in den Codes! Achja: Asperger-Autismus gab/gibt es ja auch noch.

    Ich persönlich finde den heutigen Stand als orientierter, einheitlicher und standardisierter.

    Und dann gibt es noch: Die Dunkelziffer.

    Damals (vor dem Jahr 2000) wurde bei mir das Asperger-Syndrom (F84.5 G) und das Savant-Syndrom als sonstige tiefgreifende Entwicklungsstörung (F84.8 G) diagnostiziert und festgestellt. Atypischer Autismus (F84.1 V) befand sich noch in Diagnose, Feststellung bzw. Therapie.

    In der westfälischen Klinik in der Haard wurden Vorbereitung für die Feststellung/Anerkennung einer geistigen Behinderung getroffen, da festgestellt. 

    Meine biologische Mutter wurde auf diesem Weg unterstützt, hatte dies aber nie bei Behörden beantragt und meinen Aufenthalt vorzeitig beendet bzw. abgebrochen. Sicher auch aufgrund der Tatsache, dass sie kein geistig behindertes Kind möchte (Wie auch schon von ihr gehört.).