Schlagwort: Autismus-Spektrum-Störung

  • Informationen/Dynamiken zu Menschen mit atypischem Autismus und Substanzgebrauchsstörung

    Die Kombination aus atypischem Autismus (oder einer Form aus dem Autismusspektrum) und einer Substanzgebrauchsstörung (wie Methamphetamin/Crystal Meth) birgt eine hohe Komplexität. In der klinischen Psychologie und Psychiatrie spricht man hierbei von einer Doppeldiagnose. Von einer Doppeldiagnose (auch Komorbidität oder Dualdiagnose) spricht man immer dann, wenn bei einer Person zeitgleich zwei eigenständige klinische Störungsbilder diagnostiziert werden.

    Die aufgeführten Informationen gelten auch, wenn keine Doppeldiagnose besteht – bspw. bei bereits bestehender Autismus-Spektrum-Störung // Autismusdiagnose und späterem Konsumverhalten (also jede Störung für sich separat, auch ohne Substanzgebrauchsstörung-Diagnose)

    1.1. Spezifische Dynamiken bei Autismus und Methamphetamin

    Die Einnahme von harten Stimulanzien wie Crystal Meth hat bei autistischen Menschen oft spezifische, hochriskante Ursachen und Wirkungen:

    • Sensorische und Soziale Entlastung („Self-Medication“): Crystal Meth führt zu einer massiven Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin. Autistische Menschen nutzen dies häufig unbewusst als Kompensation für soziale Überforderung, Reizüberflutung oder exekutive Dysfunktionen (Konzentrations- und Handlungsprobleme). Viele Menschen haben neben dem Autismus auch noch zeitgleich Probleme/Störungen mit den Dopaminrezeptoren bzw. mit der Dopaminerstellung / -ausschüttung.

    • Funktionale Leistungssteigerung: Häufig steht am Anfang nicht der Wunsch nach einem „Rausch“, sondern das Bedürfnis, im Alltag, in einer isolierten Situation, im Beruf oder bei Spezialinteressen mit maximaler Fokussierung zu funktionieren und soziale Maskierung (Masking) kraftvoller durchzuhalten.

    • Besondere Gefahren der Substanz: Crystal Meth besitzt ein extremes psychisches Abhängigkeitspotenzial. Durch die rasche Toleranzentwicklung und den Abbau von körpereigenen Neurotransmittern verstärken sich nach dem Abklingen des Rausches exekutive Dysfunktionen, Reizüberempfindlichkeiten, emotionale Dysregulationen und Rückzugstendenzen drastisch. Das tückische: Das passiert nicht immer. Außerdem: Häufig haben Menschen mit atypischem Autismus auch eine atypische Gehirnentwicklung, was zu einem stärkeren bis starkem Auf- bzw. Abbau von Neutransmittern führen kann.

    • Erhöhtes Risiko für Psychosen: Da sowohl die Autismus-Spektrum-Störung als auch Crystal-Meth-Konsum Einfluss auf die Reizverarbeitung und Wahrnehmung haben, steigt das Risiko für induzierte Psychosen, Paranoia oder schwere Überreizungszustände (Meltdowns/Shutdowns/Overloads).

    1.2. Herausforderungen im Hilfesystem

    Standardisierte Suchthilfe-Systeme stoßen bei autistischen Patient:innen häufig an strukturelle Grenzen:

    • Soziale und kommunikative Hürden: Gruppentherapien (wie in klassischen Entwöhnungsprogrammen üblich) erfordern ein hohes Maß an spontaner sozialer Interaktion, was bei Autismus zu massiven Überforderungen, Reizüberflutung und Therapieabbrüchen führen kann.

    • Fehldeutung von Verhalten: Ein autistischer Rückzug oder stereotype Verhaltensweisen werden in der klassischen Suchthilfe mitunter fälschlicherweise als „Verleugnung“, „Widerstand“ oder „mangelnde Motivation“ interpretiert.

    • Unflexible Versorgungsstrukturen: In vielen Einrichtungen fehlt die therapeutische Spezialisierung auf die Kombination von autistischen Informationsverarbeitungsstilen und akuten Abhängigkeitssyndromen.

    1.3. Erfolgsfaktoren für die Intervention und Therapie

    Ein wirksames Vorgehen erfordert eine integrierte Doppeldiagnose-Behandlung, die beide Komponenten gleichzeitig berücksichtigt (was auch gilt, wenn der Mensch mit atypischem Autismus ein Suchtverhalten entwickelt hat und keine Doppeldiagnose vorliegt):

    1. Strukturierte Einzeltherapie statt unstrukturierter/strukturierter Gruppe: Klare, logische Regeln, transparente Tagesabläufe und schriftlich fixierte Vereinbarungen geben Orientierung und reduzieren Reizüberflutung (Das Verhalten mit schriftlich fixierbaren Vereinbarungen scheinen Menschen mit atypischem Autismus selbstständig zu entwickeln; Die Umgebung, in der sich der Mensch mit atypischem Autismus bewegt, scheint nicht ausschlaggebend zu sein).

    2. Reizarmes Umfeld (Sensory Adaptation): Während des Entzugs und der Entwöhnung müssen sensorische Rückzugsm.glichkeiten vorhanden sein, um Überreizungen zu vermeiden.

    3. Kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansatz: Vermeidung von Metaphern; stattdessen Einsatz von konkreten, funktionalen Analysen (Wann genau entsteht der Druck zu konsumieren? Welche kognitive oder sensorische Funktion erfüllte die Substanz?).

    4. Aufbau alternativer Kompensationsmechanismen: Erarbeitung strukturierter Alltagspläne zur Regulation des Nervensystems ohne Substanzen (z. B. durch angepasstes Stimmen/Stimming, geplante Rückzugszeiten, Bewegung).

    5. Pharmakologische & Psychiatrische Begleitung: Fachärztliche Abklärung bezüglich Begleiterkrankungen (z. B. Depressionen, Angststörungen oder ADHS) unter strenger Berücksichtigung der Interaktionen mit dem Autismus-Spektrum.

    1.4. Anlaufstellen und Hilfewege

    Akutbereich /
    Entgiftung
    Qualifizierter Entzug in einer psychiatrischen Fachklinik (idealerweise
    mit Vorab-Information über den autistischen Hintergrund).
    Spezialisierte
    Beratung
    Suchtberatungsstellen mit Schwerpunkt und/oder
    Erfahrung mit Neurodivergenz.
    Autismus-ZentrenRegionalansässige Autismus-Therapiezentren (ATZ) zur begleitenden
    Erarbeitung von Reiz- und Alltagsmanagement.
    Ambulante
    Psychotherapie
    Psychotherapeut:innen mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und
    Erfahrung im Autismusspektrum.

    Aspies e.V. bietet ein gutes Netzwerk: https://aspies.de/adressen-anlaufstellen/selbsthilfegruppen/shgs/

    Menschen mit atypischem Autismus haben eine stärkere Toleranzentwicklung als neurotypische Menschen?

    Die Aussage, dass Menschen mit atypischem Autismus pauschal eine physiologisch stärkere Toleranzentwicklung (pharmakodynamisch oder pharmakokinetisch) als neurotypische Menschen aufweisen, ist wissenschaftlich so nicht belegt.

    Dennoch existiert in der Praxis ein Phänomen, das klinisch oft wie eine beschleunigte oder stärkere Toleranzentwicklung wirkt. Es entsteht primär durch neurologische Besonderheiten und psychologische Kompensationsmuster.

    2.1. Physiologische Ebene: Atypische Sensorik und Neurochemie

    In der Pharmakologie ist bekannt, dass autistische Menschen auf viele psychoaktive Substanzen (sowohl Medikamente als auch illegale Drogen) anders oder unvorhersehbarer reagieren als der

    Durchschnitt:

    • Paradoxe Wirkungen: Es kommt häufig vor, dass beruhigende Substanzen aktivierend wirken oder Stimulanzien beruhigend (ähnlich wie bei ADHS).

    • Veränderte Rezeptorendichte: Das dopaminerge, serotonerge und GABAerge System ist bei Autismus anders reguliert. Das bedeutet nicht zwingend, dass der Körper den Wirkstoff schneller abbaut (kinetische Toleranz), sondern dass die Rezeptoren-Empfindlichkeit von Beginn an anders eingestellt ist.

    • Keine Belege für schnellere physiologische Gewöhnung: Es gibt keine Studien, die belegen, dass die körperliche Enzyminduktion oder die Rezeptor-Downregulation bei der Einnahme von Methamphetamin oder anderen Substanzen bei Autist:innen schneller abläuft als bei Neurotypischen.

    2.2. Psychologische und funktionale Ebene: Das Gefühl von „Nicht-Wirkung“

    Dass in der Praxis dennoch häufig extrem schnell höhere Dosen eingenommen werden, liegt meist an folgenden Mechanismen:

    a) Hohe Basistoleranz gegenüber Reizen und Dysphorie

    Autistische Menschen leben oft in einem Zustand permanenter Reizüberflutung (Sensory Overload) und hoher Grundanspannung. Wenn eine Substanz wie Crystal Meth diesen Zustand anfangs dämpft oder strukturiert, gewöhnt sich die Wahrnehmung extrem schnell an diese „neue Normalität“. Fällt dieser Dämpfungseffekt ab, wird der Kontrast zum unmedikierten Zustand als extrem unerträglich wahrgenommen – es entsteht sofort das Bedürfnis nach Dosissteigerung.

    b) Zielgerichtete Dosissteigerung statt Rausch-Suche

    Während neurotypische Konsument:innen Substanzen oft primär für Euphorie oder Partyerlebnisse nutzen, nutzen autistische Menschen sie überdurchschnittlich oft als funktionales Werkzeug (z.B. um sozial zu funktionieren, zu maskieren oder exekutive Aufgaben zu erledigen). Sobald der initiale Rausch nachlässt und die reine Funktionalität bröckelt, wird nachdosiert – was fälschlicherweise als körperliche Toleranz interpretiert wird.

    c) Erhöhte Schmerz- und Belastungsgrenze

    Die bei Autismus häufig vorkommende veränderte Interozeption (Wahrnehmung von Körpersignalen) führt dazu, dass Überlastungszeichen des Körpers (Herzrasen, Erschöpfung, Austrocknung) oft erst sehr spät oder anders wahrgenommen werden. Subjektiv wirkt die Droge dadurch weniger „giftig“ oder weniger stark, was die Hürde senkt, rasch höhere Mengen einzunehmen. Eine weitere Hürde kann das Stimming mit sich bringen. Es kann zu Substanzkonsum als verfeinertes Stimming/verfeinerte Methode/verfeinertes Verhalten kommen. Wenn Konsumhandlungen (z. B. das Anzünden, Drehen, Schmecken, das repetitive Ziehen an einer Vapes/Zigarette oder das Trinken aus einem bestimmten Glas) selbst den Charakter eines repetitiven Rituals (eines Stimmings) annehmen, wird nicht mehr nur wegen der chemischen Wirkung konsumiert, sondern wegen der motorischen und sensorischen Routine. Allerdings kann es auch dazu kommen, dass ein bestimmtes Ritualverhalten ausfällt (bspw. bestimmtes Ordnungssystem, bestimmte Abläufe, bestimmte Umgebung …), was ebenfalls in eine motorische und sensorische Routine wechseln kann (auch im Konsum kann es wechseln).

    Ebene MechanismusPotenzielle Auswirkung auf das Konsumverhalten
    PhysiologischAtypische
    Rezeptorkonfiguration / Reizverarbeitung
    Erfordert von Beginn an oft andere
    Dosierungen als bei Neurotypischen.
    KognitivSchnelle Gewöhnung an die mentale StrukturierungDas Gehirn fordert die Substanz rasch
    nach, um den „normalen“ Zustand
    aufrechtzuerhalten.
    InterozeptivEingeschränkte Rückmeldung
    körpereigener Warnsignale
    Ermöglicht Dosissteigerungen, die
    andere aufgrund von Nebenwirkungen
    stoppen würden.

    Die Wahrnehmung einer „stärkeren Toleranz“ bei Menschen atypischem Autismus ist meist keine schnellere körperliche Gewöhnung an die Chemie der Droge, sondern das Resultat einer atypischen Ausgangslage des Nervensystems kombiniert mit einem stark funktionalen Konsummuster. Bei vielen Menschen ist das Musterverhalten „von Haus aus“ stärker bis stark ausgeprägt

    Das Risiko besteht darin, dass Dosen sehr schnell gesteigert werden, um den funktionellen Effekthalt zu erzwingen – was das Toxizitäts- und Abhängigkeitsrisiko drastisch erhöht.

    Menschen mit atypischem Autismus (häufig einhergehend atypische Gehirnentwicklung) haben häufiger bis häufig einen Abbau bzw. schnelleren Abbruch körpereigener Neutransmitter und/oder Aufbau bzw. schnelleren Aufbau körpereigener Neurotransmitter, als ein neurotypischer Mensch.

    Diese Ausführung greift einen zentralen und fachlich fundierten Punkt der Neurobiologie auf: Die Grundannahme, dass bei Autismus-Spektrum-Störungen (inklusive des atypischen Autismus) eine veränderte Dynamik in der Synthese, Freisetzung, Wiederaufnahme und dem Abbau von Neurotransmittern vorliegt, ist zutreffend.

    Dass dies direkt mit der atypischen Gehirnentwicklung (z. B. veränderter synaptischer Plastizität und Konnektivität) zusammenhängt, unterscheidet das Nervensystem autistischer Menschen grundlegend von dem neurotypischer Menschen.

    3.1. Neurobiologische Dynamiken bei Autismus

    Die Forschung zeigt bei neurodivergenten Gehirnen tatsächlich Abweichungen in den Regulationsmechanismen der wichtigsten Botenstoffe:

    • Dopaminerges System: Das Belohnungs- und Motivationstextursystem zeigt häufig eine veränderte Dichte an Dopamintransportern (DAT). Dies führt dazu, dass ausgeschüttetes Dopamin in bestimmten Hirnarealen entweder schneller wieder aufgenommen/abgebaut wird oder die Rezeptoren nicht im gleichen Ausmaß reagieren. Die Folge ist eine erschwerte Aufrechterhaltung eines stabilen Dopaminspiegels.

    • Serotonerges System: Das sogenannte „Serotonin-Paradoxon“ bei Autismus zeigt, dass der Serotonintransport und der Metabolismus (Auf- und Abbau) oft drastisch dysreguliert sind (z. B. erhöhte Serotoninspiegel im Blut bei gleichzeitig atypischer Synapsen-Verteilung im Gehirn).

    • GABA und Glutamat (E/I-Inbalance): Es besteht häufig ein Ungleichgewicht zwischen dem dämpfenden Neurotransmitter GABA und dem erregenden Neurotransmitter Glutamat. Bei vielen Autist:innen wird GABA nicht in ausreichender Menge synthetisiert oder wirkt aufgrund veränderter Rezeptorstrukturen weniger hemmend. Der Abbau erregender Reize erfolgt dadurch verlangsamt oder gestört, was zur typischen sensorischen Übererregung führen kann.

    3.2. Die Verknüpfung zur Toleranz- und Abhängigkeitsdynamik

    Wenn man diese veränderte Transmitter-Kinetic betrachtet, erklärt dies das Phänomen einer schnell gefühlten oder realen Toleranzentwicklung auf molekularer Ebene sehr präzise:

    1. Beschleunigter Verbrauchs- / Depletions-Effekt:

    Substanzen wie Methamphetamin erzwingen eine massive Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin. Wenn das körpereigene System ohnehin zu einem rascheren Abbau oder einer schnellen Wiederaufnahme neigt (oder die Speicher schneller erschöpft sind), fällt der Spiegel nach dem Konsum (ggf. auch während dem Konsum) viel steiler und schneller ab als bei neurotypischen Personen.

    2. Schnellere Rezeptor-Desensibilisierung (Downregulation):

    Da das autistische Gehirn oft sensibler auf Ungleichgewichte reagiert oder Homöostase-Mechanismen (das Bestreben nach biochemischem Gleichgewicht) atypisch ablaufen, kann das System als Schutzreaktion die Rezeptoren noch schneller herunterregulieren. Die Folge: Die gleiche Menge der Substanz zeigt schon beim nächsten Mal kaum noch dieselbe biochemische Wirkung.

    3. Kompensation des Defizits:

    Ein Nervensystem, das von Natur aus Transmitter schneller abzieht oder unzureichend synthetisiert, gerät nach dem Nachlassen der Substanzwirkung in ein tiefes biochemisches Loch („Crash“). Um überhaupt das baseline-Funktionsniveau wiederzuerreichen, entsteht ein enormer physiologischer Druck zur Dosissteigerung. Außerdem kann es auch zu mentalen / emotionalen Tiefs kommen. Die Potenz eines Shutdowns ist recht hoch.

    Zusammenfassung

    Es ist nicht zwingend der Abbau der exogenen Droge durch die Leber (pharmakokinetische Toleranz), sondern die atypische Verarbeitungs- und Abbaugeschwindigkeit der körpereigenen Neurotransmitter an den Synapsen (pharmakodynamische Besonderheit).

    Diese neurobiologische Ausgangslage macht das Gehirn bei atypischem Autismus für hochpotente Stimulanzien biochemisch extrem vulnerabel.

  • Medikamente und die Auswirkung auf Fähigkeiten

    In einem KJP Aufenthalt habe ich aufgrund div. Faktoren, u.a. aufgrund von Fehlschaltungen im Gehirn, Psychosen, motorischen Tics eine gute Mischung an Medikamenten erhalten. Außerdem habe ich an einer Medikamentstudie teilgenommen. Das war eine bunte Mischung aus Neuroleptika und weiteren Medikamenten, wie z.B. Alpha-2-Agonisten. Ursache für div. Symptome in meiner Kindheit können genetische Ursachen haben. Ein bekanntes und verbreitetes Symptom waren auch funktionelle Störungen und außerdem habe ich eine atypische Gehirnentwicklung.

    Das Ergebnis der Medikamenten sollte sein, dass die Symptome der angeborenen Einschränkungen behandelt und gemildert werden, was sich allerdings auch auf Fähigkeiten ausdehnte.

    Ich hatte ohnehin schon eine leichte Intelligenzminderung. IQs waren im 70iger Bereich (HAWK) und ich hatte/habe Lernstörung(en).

    Durch Recherchetätigkeiten bin ich darauf aufmerksam geworden, dass Neuroleptika u.a. für einen Fähigkeitsverlust sorgen können und die Kognition beeinträchtigen können.

    Folgen von Neuroleptika können sein:

    1. Unterbrechung hyper-systematisierender Netzwerke.
    2. Strukturelle Veränderungen bei Einnahme (auch Langzeit).
    3. Veränderungen in der Plastizität.
    4. Neurotoxizität und anticholinerge Last.

    Viele der vor 27 Jahren eingesetzten Präparate besaßen eine starke anticholinerge Wirkung. Acetylcholin ist jedoch genau der Botenstoff, den das Gehirn für die Gedächtnisbildung, Detailfokus und logische Abrufe benötigt. Eine jahrelange Blockade dieses Systems hinterlässt messbare Spuren in den kognitiven Funktionen.

    Ein Grund, warum Fähigkeiten über Jahrzehnte blockiert sein können, liegt nicht an einem Mangel des Botenstoffes , sondern an dauerhaften strukturellen Veränderungen der Empfänger-Netzwerke in Ihrem Gehirn.

    Es folgt außerdem:

    1. Down-Regulation und Rezeptorenverlust
    2. Abbau der funktionalen „Netzwerkstrecken“
    3. Strukturelle Atrophie

    Und das in Verbindung mit atypischer Gehirnentwicklung und der Tatsache, dass man seinen Fähigkeiten nicht mehr nachgeht, kann für „lebenslange“ Einschränkungen sorgen.

    Selbst wenn das Gehirn heute versucht, neue Bahnen zu bilden, arbeitet es auf einem völlig anderen Fundament als vor 27 Jahren. Die Kombination aus dem natürlichen Alterungsprozess des Gehirns, den damaligen medikamentösen Spuren (welche für Veränderung 1 sorgten; Also weg vom „Normalzustand“) und der jahrzehntelangen Inaktivität in diesem Bereich führt dazu, dass das Gehirn ein neues, stabiles Gleichgewicht (Homöostase) gefunden hat – allerdings eines, in dem die frühere Inselbegabung keinen Platz mehr hat bzw. es schwer sein kann, dies zu reaktivieren.

    Mein Erleben ist neurobiologisch absolut folgerichtig: Das Medikament war der damalige Auslöser, der die Fähigkeit blockierte, aber die atypische Biologie und das darauffolgende jahrzehntelange Brachliegen haben diesen Zustand dauerhaft fixiert.

  • Für die Unterlagen, und Präventiv.

    Aktuell befinde ich mich in einer Autismus-Diagnose bei der Autismus-Sprechstunde der Charité.

    Dabei handelt es sich um meine zweite Diagnose. Bereits 1998/99 hatte ich ein Diagnoseverfahren in der westfälischen Klinik in der Haard (heute LWL). Damals noch mit Neurologie, Genetik und Neuropsychologie – stationärer Aufenthalt. Man empfahl damals, zu einem späteren Zeitpunkt eine präventive Maßnahme umzusetzen (Bsp. ab dem Alter 35). Dies wurde umgesetzt.

    Die Diagnose in der Charité (Benjamin Franklin) umfasste bisher 4 Präsenztermine, einiges an Unterlagen und Dokumentation (u.a. auch Tagesberichte). Diese brachte ich selbst mit ein. Der 5. Termin wird die Diagnosebesprechung sein.

    Fest steht: Ich bin im Autismus-Spektrum. Der Begriff und die Bezeichnung werden seit 2013 im DSM-5 geführt.

    Die Diagnose wird in den kommenden Tagen gestellt, der Arztbrief geschrieben und die Diagnosebesprechung folgt.

  • Anendophasie, fehlender innerer Monolog, und ich.

    Während viele Menschen einen ständigen inneren Monolog führen, erleben Menschen mit Anendophasie eine Stille im Kopf. Sie denken nicht in Worten oder Sätzen, sondern eher in Konzepten, Bildern oder/und abstrakten Zusammenhängen. Oder erst mit:ab dem Forcieren und/oder aktivem Befassen auf Basis entsprechender Grundlagen (Aussage:n, Bild:er, Text:e und Weiteres). Häufig ist auch einfach nur nichts da. Man sitzt da, und denkt nichts, auch wenn bspw. die grundlegenden Interessen erreicht werden.

    Die wichtigsten Merkmale

    • Kein „Mitlesen“: Beim Lesen hören Betroffene keine Stimme, die den Text im Geist ausspricht, außer man geht es aktiv an, bspw. durch forcieren. Dazu kann ein Bewegung, eine andere Sitzposition, das Sprechen ider jeder weitere, individuelle Herangehensweise behilflich sein.
    • Abstrakte Planung: Gedanken über den Tagesablauf fühlen sich eher wie ein „Wissen“ an, was zu tun ist, statt wie eine To-do-Liste, die im Kopf vorgelesen wird.
    • Unterschied zu Aphantasie: Während Aphantasie das Fehlen des „inneren Auges“ (Bildern) beschreibt, betrifft Anendophasie das „innere Ohr“. Beide können gemeinsam auftreten, müssen es aber nicht.

    Aktuelle Forschungsergebnisse (2024/2025)

    Eine bahnbrechende Studie der Universität Kopenhagen und der University of Wisconsin-Madison hat gezeigt, dass Anendophasie messbare Auswirkungen auf kognitive Leistungen haben kann:

    1. Gedächtnisleistung: Menschen ohne innere Stimme schneiden oft etwas schlechter ab, wenn sie sich Wörter merken müssen, die sich ähnlich anhören (da sie diese nicht „innerlich wiederholen“ können).
    1. Reim-Aufgaben: Das Erkennen von Reimen fällt schwerer, wenn man das Klangbild der Wörter nicht im Kopf simulieren kann. Mnemotechnik:en können helfen und unterstützen.
    1. Kompensation: Interessanterweise gibt es bei komplexeren Problemlösungen oft keine signifikanten Unterschiede. Das Gehirn nutzt einfach andere Strategien, um zum Ziel und zum Ergebnis zu kommen. Meist sind es technische, systematische, organisatorische, strategische, non-verbale und verbale. Mnemotechnik:en und auch Eselsbrücke:n eignen sich. Häufig sind Eselbrücke:n unbewusst bereits vorhanden und eignen sich für eine Verknüpfung in Anwendung. Eselsbrücke:n sind allgemein bekannter, dabei ist eine Eselsbrücke nicht nur eine Eselsbrücke, sondern eine Mnemotechnik. Allerdings auch einfach nur eine Eselsbrücke (welche nicht zwingend aus mind. 3 Wörtern bestehen muss).

    Bei meiner Diagnose 1998/99 stellte man klinisch (psychiatrisch und psychologisch) fest, das ich keinen inneren Monolog habe bzw. mein Mitdenken und ein Großteil meines Denkens erst mit dem forcieren bzw. mit:ab Kommunikation stattfindet. Es gab auch vorher pädagogische und ärztliche Äußerungen und Vermutungen, welche jedoch eher „Zwischen der Türe“ und in anderen Zusammenhängen geäußert wurden. Ein „der hat doch nicht mitgedacht“ bzw. „Der hat doch nicht drüber nachgedacht“ war also tatsächlich zutreffend. Auch ein wahrnehmbares „Andere im Raum reden und man selbst sitzt nur da, hört zu, und das auch in Kombination mit einem leerem Blick.“ kann zutreffend. Das muss nicht zwangsläufig ein depressiver, desinteressierter, interessierter, abgelenkter und/oder abwesender Zustand und/oder ein entsprechendes Verhalten sein. Und auch es ist auch kein Tunnelblick, obwohl dies auch dabei vorkommen kann. Man ist voll dabei.

    By the way: Ich bin auch Aphantast (Aphantasie).

  • Was ist das Autismus Spektrum?

    Die allgemeinen und spezifischen Definitionen lassen die Frage „Was ist das Autismus Spektrum?“ beantworten.

    Ich hatte vor Kurzem einen Termin. Mir wurde eine Frage a lá „Was ist das Autismus Spektrum?“ gestellt. Es stand „Das Autismus-Spektrum ist ein großes Spektrum“ im Raum. Ich sollte mir mein „Nehme ich mit und möchte ich mir in Ruhe Gedanken zu machen, um später auf sie zurück zukommen.“ auch im Privatleben integrieren. Ein Strukturieren mit: „Im Allgemeinen“ und „Für mich“ könnte auch nicht schaden. Es war eine interessante Situationen.

    Das Autismus Spektrum ist ein Spektrum: Ja, der Stand der Dinge entwickelt sich weiter und das mit dem Menschen. Ist das nicht eine Eigenschaft des Begriffs „Spektrum“? 

    Autismus Spektrum wird auch häufig synonym mit Autismus-Spektrum-Störung verwendet.

    Autismus-Spektrum-Störung ist ein Oberbegriff für eine Reihe von neurologischen bzw. neurobiologischen (ggf. auch kognitiven) Entwicklungsstörungen. 

    Sowohl Autismus Spektrum, als auch Autismus-Spektrum-Störung beschreiben neurologische Entwicklung und ein Vorhanden. Sie beschreiben außerdem Oberbegriffe im ICD 10 und ICD 11. Autismus-Spektrum lässt vielmehr die Verwendung und Anwendung „ohne Störung“ zu. Ein Potenzial: Autismus kann also auch ohne Störung verstanden und diagnostiziert werden.

    Es gibt keine „typische“ autistische Person. Stigmatisierung ahoj. Und ade.

    Die Begriffe und das Verständnis können Gesprächsthema sein.

    Nur ein Sammelbegriff? Nein.

    Weitere Eigenschaften des Begriffs Spektrum: Die Darstellung einer kontinuierlichen Reihe von Zuständen (auch Neuerungen), Merkmalen und/oder Werten, welche sich nicht zwangsläufig zwischen zwei Extremen erstrecken. Zentrale Eigenschaften und Folgen sind: Vielfalt und Bandbreite, Kontinuum, keine klaren Hierarchien, Dimensionalität und Mehrdimensionalität, Positionierung und Potenziale, Möglichkeiten der Erfassbarkeit.

    Zur Frage: Was ist Autismus Spektrum? Ein zu erforschendes Gebiet, in welchem man sich permanent weiterentwickelt und ein Spektrum, mit und in dem Menschen leben. Und mit dem viele Menschen Klarheit haben.

  • Asperger-Syndrom, Autismus und Alexithymie

    Eine präsente Situation, und auch Vorurteil: Menschen mit Asperger-Syndrom, Autismus sowie Autismus-Spektrum-Störung haben Probleme, Gefühle und Emotionen zu zeigen oder auch zu verstehen.

    Eine typisches Vorkommen: Ich befand mich in einer Situationen, in der ich meinte, die Person Gegenüber gut zu kennen und die Gefühls- und/oder die Emotionslage richtig erkannt zu haben. 

    Ein Beispiel: Ich habe erkannt, dass in der Situation sowohl Gefühl 1, Gefühl 2, Gefühl 3 sowie Emotion 1 und Emotion 2 zutreffen. Oder Gefühl 2 und 3 könnten Emotion 1 und 2 bedeuten, jedoch kommt Gefühl 1 in den Sekunden während und in Folge der Überlegung zum Vorschein und wirkt dominanter.

    Von der Person gegenüber kommt ein: „Mir geht es gut“. Wo ist der Rest?!

    Während meiner Diagnose- und Therapiezeit stellte man Alexithymie fest. Ich bin also eher rationalisierend unterwegs. Sowohl bei mir, als auch beim Gegenüber.

    Eine meiner Herausforderungen: Würde ich anfangen, eine detailgenaue Angabe zu machen, bräuchte ich meine Zeit. Mit der richtigen Zeit ist es zwangsläufig detailgenau. Im Alltag kommt es meist zu einem: Kurz und aussagekräftig. Dies kann außerdem eine Grundlage dafür sein, um im Weiteren ein Interesse signalisiert zu bekommen. Ich beachte auch die Tatsache, dass mein Gegenüber fokussiert angebunden ist, ggf. unter Zeitdruck steht, Smalltalk führen möchte oder an einem längeren Gespräch interessiert ist.

    In den meisten Situationen sind Emotionen komplex und selten auf ein einzelnes Gefühl beschränkt. Es handelt sich oft um eine Vielzahl von Gefühlen, die gleichzeitig auftreten, einschließlich sogenannter Mischgefühle oder „Übergangsphasen“.

    Der Grund dafür, dass in manchen Momenten nur ein einzelnes Gefühl benannt wird, liegt oft an praktischen Faktoren wie der fehlenden Zeit, alle Nuancen zu reflektieren. Es hat meist nichts mit mangelnder Empathie, Selbstreflexion oder Alexithymie (der Unfähigkeit, Gefühle zu erkennen) zu tun.

    Wenn man einer Person, die sich zunächst auf ein einzelnes Gefühl konzentriert hat, eine Liste mit Gefühlen und/oder Emotionen vorlegt, würde sie wahrscheinlich erkennen, dass noch weitere Gefühle bzw. Emotionen zutreffen sein könnten.

    Und das trifft auch bei neurotypische Menschen zu. 

    Es gibt Menschen mit einer stark ausgeprägten Alexithymie und extremen Herausforderungen und Problemen mit und in sozialen Interaktionen und Kommunikation. Wie wahrscheinlich ist es, ein offenes Feedback zu erhalten. Gemachte Erfahrungen (bsp. aus der Vergangenheit) läufen häufig mit und sind noch häufiger vorhanden.

    Wie ist der biologisch richtig Verlauf für das Zustandekommen einer Gefühlsfeststellung?

    Die Feststellung eines Gefühls ist ein komplexer neurobiologischer Ablauf/Verlauf/Prozess, der in der Regel in mehreren Schritten abläuft und verschiedene Gehirn- und Gedächtnisbereiche involviert. 

    Es gibt es zwei gängige Verarbeitungswege, die oft parallel ablaufen können: einen schnellen, unbewussten Weg und einen langsameren, bewussten Weg. Für mich gibt es außerdem den Weg und das Ergebnis der Eigenformulierung.

    1. Bottom-up-Prozess; Der schnelle, unbewusste Weg.

    Dieser Weg ermöglicht eine sofortige, reaktive Antwort, noch bevor die Situation bewusst erfasst wurde. Es ist anzumerken, dass Feststellungen auch in einer reduzierten Geschwindigkeit erfolgen können, um bspw. „das Unbewusste“ und das Zustandekommen zu erfassen.

    • Sinneswahrnehmung: Ein äußerer Reiz (z.B. ein lautes Geräusch) wird von den Sinnesorganen aufgenommen.
    • Weiterleitung an den Thalamus: Die sensorische Information gelangt zum Thalamus, der als Schaltzentrale alle eintreffenden Signale sortiert.
    • Abkürzung zur Amygdala: Der Thalamus leitet einen Teil der Information direkt an die Amygdala weiter. Die Amygdala ist das emotionale Zentrum im Gehirn, das für die Bewertung von Reizen und die Auslösung von emotionalen Reaktionen zuständig ist.
    • Physiologische Reaktion: Die Amygdala löst eine unmittelbare körperliche Reaktion aus. Diese Reaktion geschieht, bevor man sich der Emotion bewusst ist.

    2. Top-down-Syndrom; Der langsame, bewusste Weg.

    Dieser Weg ist detailgenauer und ermöglicht eine bewusste Bewertung und Einordnung der Situation. Es ist anzumerken, dass Feststellungen auch in einer überdurchschnittlichen Geschwindigkeit erfolgen können. 

    • Weiterleitung zum Kortex: Vom Thalamus wird die sensorische Information auch an die Großhirnrinde (Kortex) weitergeleitet.
    • Kognitive Bewertung: Im präfrontalen Kortex findet eine genaue Analyse des Reizes statt. Hier werden die sensorischen Informationen mit Erinnerungen und Erfahrungen abgeglichen, um die Situation detailliert zu bewerten.
    • Bewusstes Gefühl: Erst durch die Verarbeitung im Kortex wird die ursprünglich unbewusste emotionale Reaktion zu einem bewussten Gefühl. Man erkennt und benennt die Emotion, die man erlebt. Häufig kann es auch dazu kommen, dass einem mehrere Emotionen und Gefühle einfallen, man jedoch „nur“ eines formuliert.
    • Rückmeldung: Der Kortex sendet Signale zurück an die Amygdala, um die emotionale Reaktion zu regulieren oder zu verstärken, basierend auf einer bewussten Einschätzung.

    Die bewusste Feststellung eines Gefühls ist also das Ergebnis dieser und weiterer komplexen Interaktion zwischen dem limbischen System sowie weiteren subkortikalen Strukturen und dem Kortex. Eine Gefühls- und Emtionsliste kann außerdem eine Feststellung unterstützen.

    Das Gefühl ist nicht nur eine Reaktion, sondern ein dynamischer Zustand, der aus kognitiven, neuronalen, und subjektiven Komponenten besteht.