Anendophasie, fehlender innerer Monolog, und ich.

Während viele Menschen einen ständigen inneren Monolog führen, erleben Menschen mit Anendophasie eine Stille im Kopf. Sie denken nicht in Worten oder Sätzen, sondern eher in Konzepten, Bildern oder/und abstrakten Zusammenhängen. Oder erst mit:ab dem Forcieren und/oder aktivem Befassen auf Basis entsprechender Grundlagen (Aussage:n, Bild:er, Text:e und Weiteres). Häufig ist auch einfach nur nichts da. Man sitzt da, und denkt nichts, auch wenn bspw. die grundlegenden Interessen erreicht werden.

Die wichtigsten Merkmale

  • Kein „Mitlesen“: Beim Lesen hören Betroffene keine Stimme, die den Text im Geist ausspricht, außer man geht es aktiv an, bspw. durch forcieren. Dazu kann ein Bewegung, eine andere Sitzposition, das Sprechen ider jeder weitere, individuelle Herangehensweise behilflich sein.
  • Abstrakte Planung: Gedanken über den Tagesablauf fühlen sich eher wie ein „Wissen“ an, was zu tun ist, statt wie eine To-do-Liste, die im Kopf vorgelesen wird.
  • Unterschied zu Aphantasie: Während Aphantasie das Fehlen des „inneren Auges“ (Bildern) beschreibt, betrifft Anendophasie das „innere Ohr“. Beide können gemeinsam auftreten, müssen es aber nicht.

Aktuelle Forschungsergebnisse (2024/2025)

Eine bahnbrechende Studie der Universität Kopenhagen und der University of Wisconsin-Madison hat gezeigt, dass Anendophasie messbare Auswirkungen auf kognitive Leistungen haben kann:

  1. Gedächtnisleistung: Menschen ohne innere Stimme schneiden oft etwas schlechter ab, wenn sie sich Wörter merken müssen, die sich ähnlich anhören (da sie diese nicht „innerlich wiederholen“ können).
  1. Reim-Aufgaben: Das Erkennen von Reimen fällt schwerer, wenn man das Klangbild der Wörter nicht im Kopf simulieren kann. Mnemotechnik:en können helfen und unterstützen.
  1. Kompensation: Interessanterweise gibt es bei komplexeren Problemlösungen oft keine signifikanten Unterschiede. Das Gehirn nutzt einfach andere Strategien, um zum Ziel und zum Ergebnis zu kommen. Meist sind es technische, systematische, organisatorische, strategische, non-verbale und verbale. Mnemotechnik:en und auch Eselsbrücke:n eignen sich. Häufig sind Eselbrücke:n unbewusst bereits vorhanden und eignen sich für eine Verknüpfung in Anwendung. Eselsbrücke:n sind allgemein bekannter, dabei ist eine Eselsbrücke nicht nur eine Eselsbrücke, sondern eine Mnemotechnik. Allerdings auch einfach nur eine Eselsbrücke (welche nicht zwingend aus mind. 3 Wörtern bestehen muss).

Bei meiner Diagnose 1998/99 stellte man klinisch (psychiatrisch und psychologisch) fest, das ich keinen inneren Monolog habe bzw. mein Mitdenken und ein Großteil meines Denkens erst mit dem forcieren bzw. mit:ab Kommunikation stattfindet. Es gab auch vorher pädagogische und ärztliche Äußerungen und Vermutungen, welche jedoch eher „Zwischen der Türe“ und in anderen Zusammenhängen geäußert wurden. Ein „der hat doch nicht mitgedacht“ bzw. „Der hat doch nicht drüber nachgedacht“ war also tatsächlich zutreffend. Auch ein wahrnehmbares „Andere im Raum reden und man selbst sitzt nur da, hört zu, und das auch in Kombination mit einem leerem Blick.“ kann zutreffend. Das muss nicht zwangsläufig ein depressiver, desinteressierter, interessierter, abgelenkter und/oder abwesender Zustand und/oder ein entsprechendes Verhalten sein. Und auch es ist auch kein Tunnelblick, obwohl dies auch dabei vorkommen kann. Man ist voll dabei.

By the way: Ich bin auch Aphantast (Aphantasie).

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